Lhasa de Sela: Lhasa

Manch eine Biographie scheint geradezu schicksalhaft vorbestimmt – umso besser lässt sie sich dann auch im Nachhinein schreiben. Wie die der wundersamen Sängerin, die für nur drei Alben in mehr als zehn Jahren aufstieg, kometenhaft gleich, um dann zu verglühen. Der ihre Mutter Tage nach ihrer Geburt ausgerechnet in der Nähe von Woodstock den tibetanischen Namen „Lhasa“ gab, die ihre Kindheit in einem Bus verbrachte, auf Reisen irgendwo in Mexiko und Amerika. Die auf ihrem ersten Album auf Spanisch und auf ihrem letzten auf Englisch sang. Die tief in der Weltmusik verwurzelt war, und am Ende ihres Lebens eine treue Fangemeinde auch aus dem Jazz-, Chanson- und Pop-Lager um sich versammeln konnte. Die, natürlich, viel zu jung starb.

There is no end to this story
No final tragedy or glory
Love came here and never left,

singt Lhasa de Sela auf ihrem letzten, schlichtweg Lhasa betitelten Album. Tatsächlich schreibt sie mit dieser 2009 erschienen Platte ihre eigene Geschichte um ein weiteres, beeindruckendes Kapitel fort. Im Kampf gegen den Brustkrebs entstanden melancholische, schwere Songs – die in ihrer Intensität jedoch in jedem Moment über die Schwermut siegen. Wer hier Tragik sucht, sucht vergebens – das Leid wird verschwinden, die Liebe aber bleibt.

There‘s nothing left to do
But walk out there and go.

Lhasa de Sela wuchs von Album zu Album; nie vergaß sie ihre Wurzeln in der Weltmusik, doch sie verfeinerte und transfomierte sie, bis ihr mit Lhasa ein an Selbstsicherheit nicht mehr zu überbietendes Werk gelang. Neben ihrer Stimme beeindrucken die Texte: Vergänglichkeit, Abschied und Tod blickt de Sela mit solcher Bewusstheit ins Auge, dass bei aller Klage oder Trauer kein Platz bleibt für Verzweiflung. Wie gesagt: „There is no end to this story…“

Nur selten ruhen Musiker so in sich wie diese Frau.

Man mag an Leonard Cohen denken (dessen Who by Fire sie auf unglaublich leichte, unbeschwerte Art gecovert hat). Und man mag an das Schicksal denken, das bei so einer Biographie natürlich die Finger im Spiel haben muss. Beeindruckt ist man am Ende von der Selbsterkenntnis, aus der diese tiefe, klare und sehr bewegende Musik entstammt. Der man sich in all ihrer Widersprüchlichkeit und Lebendigkeit auch zwei Jahre nach Lhasa de Selas Tod nicht entziehen kann. Musik, die eines Tages ganz unvermittelt erklang, und seitdem: nie wieder gegangen ist.

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