Mirel Wagner: Mirel Wagner

Mirel Wagner: Mirel Wagner (Cover)

21. Oktober 2011
Bone Voyage / Cargo Records

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despair came riding on the crest of a big black wave
knocked me down on the floor
said you’re the one I’ve been looking for
it said dance with me ’till all the stars begin to fall
dance with me till there’s nothing left of you at all

Genau diesen schaurig schönen, stillen Tanz mit der Verzweiflung tanzt die in Äthopien geborene und in Finnland lebende Mirel Wagner. Reduziert „bis auf die Knochen“, mit einer Selbstverständlichkeit, dass man glaubt, man träumt, beamt einen diese Musik tief ins Herz der finsteren Nacht, dorthin, wo die Dunkelheit vielleicht das eigentliche Licht ist – und: „all the stars come down tonight“.

Der 23jährigen gelingt mit wenig mehr als einer Handvoll Tönen eine der betörendsten Platten der Saison: Mit einer recht verschwiegenen Gitarre und einer Stimme, die alt (sehr alt) und jung (ziemlich jung) zugleich klingen kann, kommt sie aus den Tiefen der Musikgeschichte, aus einer Musik vor der Musik, von den Wurzeln unbeirrt und geradenwegs auf uns zu.

Blues? Ist nicht länger die Musik alter Herren,
und Rock? Hat es nie gegeben.

Stattdessen die endlose Wiederholung des Ewig Gleichen auf einem archaisch anmutenden Saiteninstrument, das man später als Gitarre nutzen und missbrauchen wird: Hier werden Kraft und Schönheit dieses Klangkörpers so bewusst dosiert, dass ein tranceartiger Zustand auf Dauer nicht ausbleibt. Der Boden ist bereitet für diese Stimme, die ganz nah neben einem Platz nimmt und dennoch von sehr weit weg stammt.

Keine Frage: Mirel Wagner hat nicht den Blues, so wie ihn irgendjemand haben kann – sie ist die ursprünglichste und lebendigste Verkörperung dieser sehr sehr alten Musik, die einem seit Robert Johnson untergekommen ist. Mit einer Widerspenstigkeit, die so vielleicht nur Julia Hummer mit ihrer vor Jahren erschienen Soloplatte (der einzigen, leider) hinbekam – und mit einer Unberechenbarkeit und Abgründigkeit, wie sie der junge Nick Cave hatte. Wagner braucht allerdings weder den Punk noch den Folk als musikalische Gewänder: sie vertraut allein auf die verzaubernde, verstörende und irgendwie auch heilsame Kraft ihrer Stimme.

Im Gepäck die alten Schinken in ausdrucksstarker Lyrik, die – Vorsicht! – einen weit über die Nacht hinaus verfolgen werden: Liebe, Verzweiflung, Tod. Mirel Wagner hat – nicht nur für ihr Alter – einfach erstaunlich wenig Respekt.

her body is cold
well its gonna get colder
but my love will ignite
what was left to smoulder
I move my hips
in her I am home
I’ll keep on loving
till the marrow dries from her bones

no death
can tear us apart

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